20 Jahre IREES: Lightning-Interview mit Eberhard Jochem

20 Jahre: IREES schaut zurück – und nach vorn
Eberhard Jochem, seit Gründung im Jahr 2006 bei IREES, im Lightning-Interview:

1️⃣ Eberhard, was machst du bei IREES?
Zwischen 2006 und 2014 war ich geschäftsführender Gesellschafter. Wir starteten zu fünf Wissenschaftlern in einem drei-Zimmerbüro im Souterrain eines ehemaligen Friseursalons. Mitte 2014 hatten wir drei Geschäftsfelder angewandter Forschung und Transfer-Beschleunigung. Der Umsatz war vervierfacht und die Zahl der Mitarbeitenden verdreifacht. Es war ein erfolgreicher Aufbau eines Spin-offs des Fraunhofer ISI.
Heute analysiere ich insbesondere die Möglichkeiten neuer Industrieprozesse mit dem Ziel eines geringeren spezifischen Energiebedarfs und defossilisierter Produktionsprozesse. Dabei bin ich in großer Sorge, dass die erzielten FuE-Ergebnisse zu langsam in die breite industrielle Anwendung und dann in den Export kommen. Im Wettbewerb mit China führt dies zur Verminderung der Nettoexporte der deutschen Wirtschaft und damit zu Einschnitten im Volkseinkommen Deutschlands.

2️⃣ Welches Lieblingsprojekt ist dir im Kopf geblieben?
Mein Lieblingsprojekt war das 30 Pilot-Netzwerke-Projekt. Wir hatten ab 2010 auf möglichst schnelle Weise 30 Energieeffizienz-Netzwerke mit uns bekannten Partnern (z.B. EnBW, Eproplan, FfE, FUU und ÖKOTEC) zu gründen und drei bis vier Jahre nach dem Format der „Lernenden Netzwerke“ zu betreiben. Die Ergebnisse der etwa 360 Betriebe waren hervorragend: gemeinsam erreichten sie durchschnittlich 10 % Energieeinsparung binnen fünf Jahren, d.h. eine überdurchschnittliche Energiekostensenkung und CO2-Minderung gegenüber Nichtteilnehmern von derartigen Netzwerken. Konkret verdoppelten sie die Effizienzfortschritte durch Erfahrungsaustausch und gegenseitiges Antreiben. Durch Nutzung von brennbaren Abfällen und Bezug von grünem Strom lag die CO2-Minderung noch etwas höher.

3️⃣ Was hat sich seitdem im Energiebereich verändert und wie schaust du nach vorne?
Im Energiebereich ist der Fokus in Wissenschaft und Politik in den letzten Jahren zu sehr auf das Energieangebot gerichtet. Energie effizienter und flexibler zu nutzen, wurde vernachlässigt (im Gegensatz zu Skandinavien oder der Schweiz). Das IREES hat heute ein kompetentes und engagiertes Team, wie ich es vor 10 Jahren nicht erwartet hätte.
Nach vorne schaue ich bei der Energiepolitik der EU und Deutschlands mit einiger Sorge; sie orientiert sich zunehmend weniger an naturwissenschaftlich-technischen Fakten, sondern
mehr an Meinungen unzureichend informierter Wähler. Diese mangelnde Fakten-Orientierung verunsichert Investoren, Entscheidungen werden vielfach hinausgeschoben oder falsch getroffen. Darüber freuen sich clevere Importeure bei ihren Vorbereitungen, neue Märkte in Europa aufzurollen, z.B. jetzt E-Autos, Elektrolyseure und morgen Klimaanlagen.