Quantifizierung von Energy Efficiency First in EU-Szenarien: Auswirkungen auf Gebäude und Energieversorgung

Das Prinzip „Energy Efficiency First“ (EE1st) zielt darauf ab, nachfrageseitige Ressourcen (Endenergieeffizienz, Demand Response usw.) zu berücksichtigen und ihnen Vorrang einzuräumen, wenn sie bei der Erreichung der gleichen Ziele einen größeren Nutzen bringen als angebotsseitige Ressourcen (Erzeugung, Netze, Speicherung usw.). Die vorliegende Studie hat zum Ziel einen quantitativen Nachweis für EE1st zu erbringen, indem untersucht wird, welches Niveau an Endenergieeffizienzmaßnahmen im Gebäudesektor den größten Nutzen für die Europäische Union (EU) bei der Umstellung auf Netto-Null-Treibhausgasemissionen (THG) bis zum Jahr 2050 bringen würde.

Unter Verwendung einer Reihe von Energiesystemmodellen werden drei Szenarien untersucht (LOWEFF, MEDIUMEFF, HIGHEFF), von denen jedes das Netto-Null-Ziel erreicht. Die Szenarien unterscheiden sich hinsichtlich des Anspruchsniveaus für Gebäudesanierungen, energieeffiziente Geräte und andere Energieeffizienzmaßnahmen in Wohn- und Nichtwohngebäuden. Diese Unterschiede wirken sich wiederum auf den Einsatz von Energieerzeugern und -netzen für Strom, Fernwärme und Wasserstoff aus. Mit dieser Analyse lässt sich ermitteln, inwieweit die Gesellschaft – rein monetär gesehen – besser dasteht, wenn der Endenergieeffizienz in Gebäuden Vorrang eingeräumt würde gegenüber Stromerzeugern, Netzen und Speichern im Sinne des EE1st-Prinzips.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Energieeffizienz in Gebäuden von entscheidender Bedeutung ist, um bis 2050 Netto-Null-THG-Emissionen zu erreichen. Das LOWEFF-Szenario (-21,1 % Verringerung der Endenergienachfrage für Gebäude im Jahr 2050 gegenüber 2020) stellt das konservative untere Ende des angemessenen Ambitionsniveaus für Endenergieeffizienz in Gebäuden mit Blick auf Netto-Null-Emissionen dar. Dieses Anspruchsniveau liegt deutlich über dem Business-as-usual-Pfad des EU-Referenzszenarios (-10,4 % Endenergiebedarf im Jahr 2050 gegenüber 2020) (Capros et al. 2021). Nach dem zentralen Indikator der Energiesystemkosten (Abbildung 1) sind die ambitionierteren Szenarien MEDIUMEFF (-30,2 % Endenergiebedarf 2050 vs. 2020) und HIGHEFF (-35,5 % Endenergiebedarf 2050 vs. 2020) im Vergleich zu LOWEFF generell nicht kosteneffizient.

Es gibt jedoch genügend Gründe, diese Zielvorgaben über das LOWEFF-Szenario hinaus zu unterstützen. Zum einen sind die Unterschiede bei den Energiesystemkosten gering – so entsprechen die zusätzlichen jährlichen Kosten bei HIGHEFF gegenüber LOWEFF weniger als 0,03 % des Bruttoinlandsprodukts der EU. Zum anderen wurde in dieser Studie der jüngste Anstieg der Energiepreise ab 2021-2022 nicht vorweggenommen, der höhere Zielvorgaben für die Energieeffizienz rechtfertigen würde (Eichhammer 2022). Das Gleiche gilt für die Einbeziehung von Verbesserungen des Innenraumkomforts, der Verringerung der Luftverschmutzung und anderer vielfältiger Auswirkungen. Wie in einem Folgebericht (ENEFIRST 2022) aufgezeigt wird, erhöht deren Berücksichtigung die Attraktivität der Energieeffizienz erheblich und unterstützt damit das EE1st-Prinzip weiter. In der Praxis erfordern die in dieser Studie dargelegten Szenarien ein ehrgeiziges Paket von Planungs- und Politikinstrumenten. Ein weiterer Berichtszweig des ENEFIRST-Projekts (2021d, 2021c, 2021b) befasst sich ausführlich mit politischen Gestaltungsoptionen für EE1st.

ANSPRECHPARTNER

Eftim Popovski
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Daniel Dreke
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Jan Steinbach
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